Birgit van Meegen

Supervision/ TCM-Ernährungsberatung/ Kochcoaching

Die Welt “ Mit der Stoppuhr zum richtigen Job“

von Sophia Seiderer 25. April 2010, 04:00 Uhr

Berufswahltests, professionelle Berater und Fachmessen: Unterstützung für Schüler, den richtigen Beruf zu finden, gibt es genug. Warum fällt die Entscheidung dennoch so schwer? Eine Spurensuche auf der „StudyWorld 2010“ in Berlin

Anwalt, Ingenieur, Geigenbauer oder etwa Müllmann. Die Berufswahl ist – immer noch – eine Entscheidung fürs Leben. Zwar sind die Zeiten vorbei, in denen Berufsanfänger am Ende ihrer Karriere noch am gleichen Arbeitsplatz sitzen wie zu Beginn. Im Laufe des Berufslebens mehrmals Job zu wechseln ist heute normal geworden. Dennoch ist eine gute Ausbildung oder ein Studium die beste Karriere-Voraussetzung.

Das wissen auch die mehr als 9000 Schüler und Studenten, die in den vergangenen zwei Tagen die „StudyWorld“-Messe in Berlin besuchten, um sich über Bachelor- und Masterstudiengänge im In- und Ausland, Studienplanung und -finanzierung und akademische Weiterbildungsprogramme zu informieren. Etwa 170 Aussteller aus 28 Ländern, wie Australien, Estland, Großbritannien, Japan, Kanada oder den USA präsentierten sich den Messebesuchern. Darunter deutsche Hochschulen, wie die WHU, Otto Beisheim School of Management oder die Martin-Luther-Universität Halle sowie ausländische Universitäten, wie die schwedische Universität Tartu oder das Israel University Consortium. Bärbel Schumacher von der University of Delaware in Amerika ist gekommen, um deutsche Bewerber für diese Universität zu begeistern. „Die meisten kennen eben die großen Namen amerikanischer Unis wie Harvard, aber in bestimmten Fachbereichen kann eine andere Hochschule besser sein. Das wissen aber viele nicht“, so Schumacher. Deswegen sei gute Information und Vorbereitung auf ein Auslandsstudium entscheidend.

Allein in Deutschland gibt es merh als 9000 Studienmöglichkeiten und über 350 Ausbildungsberufe. Das Angebot ist unübersichtlich groß – umso schwerer fällt es vielen Schülern, sich zu entscheiden. Zudem hat der Schulalltag recht wenig mit dem späteren Uni- oder Berufsleben zu tun. So hilft einer Auszubildenden im Restaurantfach eine Eins im Schulfach Mathematik nicht unbedingt dabei, später Gäste während eines Fünf-Gänge-Menüs zu bedienen. Genauso wenig hat die Schulmathematik normalerweise mit einem Mathe-Studium gemeinsam. Das spiegelt sich auch in der Anzahl der Studienabbrecher wider. Eine aktuelle Studie der Hochschul-Informations-System GmbH ergab, dass etwa 21 Prozent der Studenten ihr Studium abbrechen, in Fächern wie Maschinenbau oder Elektrotechnik sogar 34 Prozent.

Die Anforderungen ändern sich nach dem Schulabschluss und dem Beginn einer Ausbildung. Etwa zwei von drei Schülern beklagen, dass sie sich für diesen Schritt nicht ausreichend beraten fühlen. Dabei sprießen die Beratungsangebote geradezu aus dem Boden: Neben der Berufsberatung im Arbeitsamt und in der Schule gibt es unzählige Möglichkeiten, sich zu informieren: Internetseiten, Berufswahltests, „Abi und dann?“-Broschüren, Messen, private Institute, die Einzelcoaching, Gruppenworkshops oder DVDs anbieten. Die Arbeitsagentur in Mannheim ließ zu diesem Zweck sogar kürzlich eine historische Straßenbahn durch die Mannheimer Innenstadt fahren, um Schüler in der Bahn zu beraten.

Birgit van Meegen ist professionelle Berufsberaterin und Vorsitzende einer Fachgruppe des Deutschen Verbands für Bildungs- und Berufsberatung. Ihre Gruppe engagiert sich für eine kostenlose und professionelle akademische Bildungs- und Berufsberatung. „Wer sich schon früh als Schüler von beruflicher Beratung in der Zielfindung unterstützen lässt, ist auf den enormen Zeitdruck, rechtzeitig das Studium zu planen und dann auch zu Ende zu bringen, besser vorbereitet. Sonst kann das kurze BA-Studium gerade an den Universitäten wie Schwimmen ohne Wasser sein“, sagt van Meegen. „Wichtig ist trotz Zeitdruck der Studienmodule, sich die Freiheit für Auslands- und Praxissemester zu nehmen. Das persönliche Reifen bleibt sonst oft auf der Strecke“, so van Meegen. „Als Beraterin beginne ich in den 9. und 10. Klassen der Gymnasien spielerisch Berufsbilder zu erkunden, damit die Schüler sich mit Spaß und ohne Druck ihren Vorstellungen und Stärken widmen können.“ Diese Auseinandersetzung ist heute ständig im Berufsleben gefordert. Lebenslanges Lernen setzt voraus, sich stetig an wandelnde Arbeitsverhältnisse anzupassen. Der Verband hat dazu einen Brief an alle Bundestagsfraktionen versendet und fordert für alle Bürger eine professionelle Bildungs-, Berufs- und Beschäftigungsberatung.

Für Jugendliche sind immer noch die Eltern eine sehr wichtige Instanz in puncto Berufswahl. „Die Eltern in die Angebote von Studien- und Berufsberatung an den Schulen mit einzubeziehen ist ebenso wichtig. Sie sind oft der Terminkalender der Jugendlichen“, erzählt van Meegen, da selbst in der Oberstufe schon ein straffer Zeitplan herrscht. Die Meinung der Eltern spielt bei der Entscheidung der Töchter und Söhne oft eine wichtige Rolle. Manchmal kann das auch in Druck ausarten. Der Klassiker darunter: Vater, Großvater und Urgroßvater sind beziehungsweise waren Ärzte. Auch der Nachwuchs soll Arzt werden.

Ein Berufswahltest kann manchmal auch bei der Suche nach dem Traumjob helfen. Seit über 20 Jahren bietet das geva-Institut mit Sitz in München Testverfahren zur beruflichen Orientierung an, für Abiturienten, Real- und Hauptschüler. Dabei geht es darum, „Schüler zu aktivieren, sich mit ihren Stärken, Interessen und Fähigkeiten auseinanderzusetzen,“ sagt Michael Kratzmair vom geva-Institut. Der Test fragt die Interessen der Schüler ab, testet ihr intellektuelles Leistungsniveau unter Zeitdruck ab, mit Stoppuhr, und setzt es mit den Anforderungen der Studiengänge in Beziehung. Das Interesse an den Tests sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. „Der politische Druck auf die Schulen, den Schülern Möglichkeiten zur Berufsorientierung anzubieten, ist größer geworden“, so Kratzmair. In manchen Bundesländern gebe es dafür eigene Programme, wie zum Beispiel die vertiefte Berufsorientierung in Nordrhein-Westfalen.

Auch das Bewusstsein aufseiten der Eltern und Schüler hätte sich verändert. Sie würden merken, dass mehr verlangt wird. „Die Wirtschaft, Industrie und auch Hochschulen erwarten einen reflektierten, vorbereiteten Abgänger, der bei einer Bewerbung gut argumentieren kann, warum er genau diese Ausbildung wählt“, sagt Kratzmair. Viele Studienabbrecher würden enorme volkswirtschaftliche Kosten verursachen. „In einer Zeit, in der wir zu wenige Jugendliche haben, die in den Beruf einsteigen oder ein Studium beginnen, können wir uns das als Staat gar nicht mehr erlauben, dass so viele einen Irrweg gehen“, so Kratzmair.

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